„Gruß aus Koblenz“ stand auf den ersten Postkarten, die Reisende aus Koblenz verschickten. Diese kurze Grußbotschaft war nicht der fehlenden Kreativität oder der Faulheit der Verfasser geschuldet, sondern es lag an der Beschaffenheit der Postkarte selbst: Nachdem sie 1869 in Österreich als „Correspondenzkarte“ eingeführt und ab 1870 von Preußen und den anderen deutschen Regionen übernommen wurde, erlangte sie (1872 in Deutschland in Postkarte umbenannt) einen hohen Bekanntheitsgrad. Unter anderem, da die Soldaten während des deutsch-französischen Krieges (1870/71) sie nutzten, um ihren Angehörigen mitzuteilen, dass es ihnen gut geht. Die Correspondenzkarte besteht aus einer Adressseite (Vorderseite) und einer leeren Rückseite. Auf die leere Rückseite wurden nun Motive gedruckt und so war kein Platz mehr vorhanden, um einen längeren Text zu schreiben. Da jedoch immer mehr Reisende Grußbotschaften auf die Motivseite schrieben, reagierten die Verleger und ließen auf der Motivseite etwas Platz für einen kurzen Text, sodass ab 1904 die Zweiteilung der Adressseite erfolgte und dadurch Adresse und ein kurzer Text Platz fanden. Dieses Format hat bis heute Bestand.

Postkarten wurden mithilfe vieler verschiedener Drucktechniken hergestellt. Die bedeutsamsten waren der einfarbige (vorrangig bis ca. 1905) und der mehrfarbige (vorrangig bis 1915) Lithografie-Druck und schwarz-weiße (von 1915-1965) und mehrfarbige (1965- heute) Echtfotokarten mittels Offsetdruck.

Die folgenden Bilder zeigen originale Postkarten von Koblenz

Wissenswertes

Geschichte und Entwicklung der Postkarte

Schon im Jahr 1865 forderte der spätere General-Postdirektor des Norddeutschen Bundes Heinrich von Stephan ein offen zu versendendes „Postblatt“. Für ihn war die damalige Briefform nicht kurz und einfach genug. Man benötigte in der durch Industrialisierung schneller gewordene Welt auch ein daran angepasstes Kommunikationsmedium. Dabei stieß er jedoch auf viel Gegenwehr: Man befürchtete finanzielle Einbußen für die Post, da dieses offene Postblatt günstiger sein sollte als ein Standardbrief. Auch hatten viele Bedenken wegen des Briefgeheimnisses, denn die Mitteilungen sollten offen und nicht wie bisher verschlossen verschickt werden. So konnte jeder, der dieses Postblatt in den Händen hielt, es auch lesen. Aus diesen Gründen wurde sein Vorschlag abgelehnt.

Gegen all diese Widerstände wurde 1869 in Österreich die „Correspondenzkarte“ eingeführt. Ihre Vorderseite war für die Adresse und ihre Rückseite für die Beschriftung vorgesehen. Wie angedacht diente sie vorwiegend zur Übermittlung von kurzen und einfachen Benachrichtigungen, wie z.B. Geschäftsterminen, Verabredungen, Geburten, Gratulationen zu Geburtstagen oder zur Hochzeit, auch Weihnachts-, Neujahrsgrüße und zu Ostern wurden so verschickt.

Heinrich von Stephan führte diese Correspondenzkarte 1870 auch im Norddeutschen Bund ein. Schon am ersten Tag wurden in Berlin 45 000 Benachrichtigungen verschickt. Im selben Jahr wurde die Correspondenzkarte auch in den übrigen deutschen Regionen eingeführt und alle europäischen Staaten sowie die meisten anderen internationalen Staaten folgten in den nächsten Jahren. Bis 1878 war sie fast weltweit eingeführt.

Eine erste große Resonanz erlebte die Correspondenzkarte schon früh im deutsch-französischen Krieg von 1870/71: Sogenannte Feldpostkarten wurde alleine im ersten Kriegsjahr bereits 10 Millionen Mal verschickt. Die Soldaten konnten mit Hilfe der Feldpostkarte ihren Angehörigen auch unter den schwierigen Verhältnissen des Krieges ohne großen Zeitverlust schreiben. Ihre Botschaften waren meistens: „Mir geht es gut“ oder einfach: „Lebe noch“. Dies führte dazu, dass alle Bevölkerungsgruppen sehr schnell mit der neuen Kommunikationsform Correspondenzkarte vertraut wurden und sorgte zu einem weiteren Anstieg ihrer Beliebtheit nach Kriegsende.

Am 1. März 1872 wurde die Correspondenzkarte in Deutschland schließlich in Postkarte umbenannt.

Ab dem 1. Juli 1872 war es auch privaten Firmen gestattet Postkarten herzustellen. Dies führte zusammen mit der aufstrebenden Tourismusbranche dazu, dass nun Bilder auf die Textseite gedruckt wurden. So entstand die heutzutage bekannte Ansichtskarte.

Diese neue Form der Postkarte hatte jedoch den Nachteil, dass nun kaum mehr Platz vorhanden war, um einen Text zu schreiben. Da die Verfasser aber nicht auf Grußbotschaften verzichten wollten, schrieben sie ihre Botschaften immer dort auf die Bildseite, wo sie Platz fanden. Die Hersteller passten sich schließlich diesem Trend an und produzierten ab 1905 auch Postkarten, die ein Feld für kurze Texte aufwiesen. So entstand die noch heute gängige Postkarte: Auf der Rückseite findet man das Bildmotiv und auf der zweigeteilten Vorderseite (Adressseite) jeweils ein Feld für die Anschrift und für einen kurzen Text.

Drucktechniken für die Bildmotive

Die ersten Bildmotive waren noch nicht die heute bekannten Fotomotive. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Technik der Fotografie noch nicht so weit, dass große Panoramafotos gemacht werden konnten. Die Hersteller von Postkarten engagierten daher Künstler, welche die Bildmotive zeichneten und diese dann mittels der Lithografie (auch Stein-Druck genannt) auf die Postkarten gedruckt wurden. Bis 1894 handelte es sich dabei vorrangig um einfarbige Lithografien, die dann bis 1906 von den mehrfarbigen Lithografien abgelöst wurden. Verbesserungen von Kameras und die Erfindung des Offset-Drucks Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten dafür, dass von 1915 bis 1965 die meisten Postkarten sogenannte schwarz-weiße Echtfotokarten waren. Diese wurden dann ab 1965 von den farbigen Echtfotokarten abgelöst, die bis heute den Standard von Postkarten bilden.

Entstehung neuer Textsorten

Dies sind Grußbotschaften, die Reisende an ihre Lieben geschickt haben. An sich nichts Ungewöhnliches, denn solche oder ähnliche Botschaften hat schon jeder einmal aus dem Urlaub geschrieben oder zugeschickt bekommen. Interessant wird es, wenn man die Daten der Entstehung vergleicht: Die erste Botschaft ist aus dem Jahr 1913, die zweite von 1952, die dritte von 2014 und die letzte aus dem Jahr 2018. Zwischen erster und letzter Postkarte liegen also über einhundert Jahre und dennoch kann man hier viele Gemeinsamkeiten finden. Man spricht bei Urlaubspostkarten und Glückwunschpostkarten von einer eigenen Textsorte, da hier wiederkehrende Muster zu finden sind. Im Kontext der Rheinreise sind die Urlaubspostkarten interessant. Sie können in drei Haupteile eingeteilt werden: Anrede, Hauptteil und Abschiedsgruß.

Die Anrede hat sich lange Zeit kaum verändert. Sie bestand größtenteils aus Variationen von „Liebe“, „Meine Liebe“, „Liebes“, „Ihr Lieben“. Erst ab den 1990er Jahren findet man auch zunehmend Anreden wie „Hallo“, „Hi“, „Hoi“, „Hey“, „Hallöchen“. Solche Begrüßungsformen werden auch in E-Mails, in SMS und WhatsApp benutzt, sodass man davon ausgehen kann, dass sie für Postkarten übernommen wurden.

Ähnlich verhält es sich mit dem Abschiedsgruß. Auch hier findet man lange Zeit „Liebe…“, „Viele… und Herzliche Grüße“. Ab ca. 1990 finden sich auf den Postkarten Grüße wie „Tschüss“, „Ciao“ und „Bye“. Die Gründe hierfür dürften die gleichen sein wie bei der Anrede. „Bis bald!“, „Ich vermisse Dich“ und „Meld dich mal wieder“ sind ebenso Grüße, die man auf Postkarten findet.

Der Hauptteil ist gekennzeichnet durch einen geringen Informationswert. Er ist oft klischeehaft, stereotypisch und elliptisch aufgebaut und beschreibt zumeist, was zu einem gelungenen Urlaub dazugehört. Hierzu zählen Beschreibungen über das Essen, Hotel, Wetter und über Aktivitäten.

Die Zukunft der Postkarte

Wenn man eine Prognose über die Zukunft der Postkarte abgeben möchte, so muss man sich zuerst einmal vor Augen führen, was die Postkarte über ihren langen Lebenszeitraum so erfolgreich gemacht hat. Es gab mehrere Gründe für ihren Erfolg und die haben sich über die Jahre geändert: Erstens wurde ihre unverzügliche Zustellung sogar an Feiertagen, die aus dem Ausbau des Eisenbahnnetzes und der häufigen Leerung der Briefkästen resultierte, von den Leuten als äußerst angenehm empfunden. Man konnte sich darauf verlassen, dass einen Tag nach Versand der Nachricht der rechtmäßige Empfänger diese in seinen Händen hielt. In Berlin wurde die Post eine Zeit lang bis zu elf Mal täglich ausgetragen. Zweitens senkte die Postbehörde die Gebühren, was das Verschicken von Postkarten zu einer billigen Angelegenheit machte. Das Porto einer Karte entsprach etwa der Hälfte eines Standardbriefes. Außerdem war nun der Kauf von Briefpapier und Umschlag überflüssig.  Drittens wurde die Anwendung privat hergestellter Formulare erlaubt, wenn die Gestaltung den postamtlichen Bestimmungen entsprach. Dies kam den Leuten insofern entgegen, weil man jetzt individuell gestaltete Karten versenden konnte. Viertens waren Postkarten eine günstige Alternative zu Fotoapparaten, denn so konnte man für wenig Geld Fotos aus dem Urlaub als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

Doch diese Vorteile wurden schnell durch andere technische Errungenschaften wie das Telefon und noch später das Internet ad acta gelegt und so sind die reinen Schriftkarten (Adressseite vorne und Textseite hinten) heutzutage tatsächlich fast ausgestorben. Seit den 1960er Jahren besteht der Großteil der verschickten Postkarten aus Karten mit Bildmotiv. Es werden Grüße zum Geburtstag, Heirat, Geburt und Feiertagen verschickt. Die mit Abstand aber am meisten verschickte Postkarte ist seit dieser Zeit die mit Urlaubsgrüßen.

In den 1960er, 70er und 80er Jahren wurden die meisten Urlaubspostkarten aus zwei Gründen verschickt: Man wollte natürlich seine Lieben grüßen und auch zeigen, wo man seinen Urlaub verbringt. Dieser Urlaub hat schließlich viel Geld gekostet und dann kann man den anderen auch zeigen, dass man sich sowas leisten kann.

Doch auch diese Gründe für das Fortbestehen der Postkarte sind in den 1990er Jahren eigentlich verschwunden. Mit dem Internet kann man heutzutage viel mehr Menschen erreichen. Auf Plattformen wie Facebook und Co. kann man seine Hundertschaft an Freunden wesentlich schneller und quasi kostenfrei über seinen Urlaub informieren. Dennoch wurden 2013 noch über 151 Millionen Postkarten in Deutschland verschickt. Wenn man sich also fragt, warum die Postkarte immer noch existiert, obwohl ihre offensichtlichen Vorteile schon von anderen Medien übertrumpft wurden, so kann man hier sicherlich sagen, dass das Schreiben einer Postkarte heutzutage auch als eine Art der Wertschätzung dem Empfänger gegenüber angesehen werden kann. In Zeiten, in denen Texte fast ausschließlich digital verfasst werden, sind Grußbotschaften, die handschriftlich verfasst wurden, etwas sehr Persönliches. Auch die Zeit die man für die Postkarten aufwendet, sie müssen ausgesucht, gekauft, beschrieben und verschickt werden, soll dem Empfänger zeigen: Du bist es mir wert, eine Postkarte zu schreiben. Und so kann man davon ausgehen, dass es vermutlich noch eine ganz lange Zeit Postkarten geben wird.

 

Böhmer, Günter: Sei glücklich und vergiß mein nicht, Stammbuchblätter und Glückwunschkarten, München Verlag F. Bruckmann 1973

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May, Stefan: Geschichte der Postkarte, Die SMS des 19.Jahrhunderts, in Deutschlandfunk Kultur, online unter https://www.deutschlandfunkkultur.de/geschichte-der-postkarte-die-sms-des-19-jahrhunderts.976.de.html?dram:article_id=306503 (letzter Zugriff am 16.08.2018)

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Bildquelle:

Stadtarchiv Koblenz, Burgstraße 1, 56068 Koblenz

Dieses Thema wurde bearbeitet von: Lanxin Liu und Peter Sohns.

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