Stetig bahnt sich der Rhein seinen Weg durchs Rheinland, vorbei an bekannten Städten wie Düsseldorf, Köln, Bonn, Koblenz und zahlreichen weiteren Orten. Obwohl kleinere und größere Rivalitäten zwischen diesen Städten bestehen, sagt man ihnen eine Einigkeit durch ihre besondere rheinische Mentalität, ihrer Liebe zum Karneval, ihrem Frohsinn, ihrer Musik und ihrer Lage am großen Fluss, dem Rhein, nach. Der Rhein ist Dreh- und Angelpunkt, steht für die Heimatverbundenheit und stellt das Motiv für unzählige Bücher, Gedichte und Lieder dar.

Aber nicht nur der Rhein schafft es, besondere Bilder und Assoziationen in uns aufsteigen zu lassen, auch die Rheinländer zeichnen sich durch ein ganz spezielles Wesen aus, das ihnen zugeschrieben wird. So sagt man von den Rheinländern, dass sie sich selbst nicht zu ernst nehmen, dass sie offen und tolerant sind und sich in der Gemeinschaft wohlfühlen. Sie wollen unterwegs sein, sich unter Leute mischen und feiern und bilden somit einen Teil des freundlichen Kollektivs, das die rheinländische Bevölkerung darstellt. Sie sind nicht nur von Haus aus stolz auf sich selbst, sondern sind insbesondere verliebt in ihre eigene Heimat und halten diese hoch – kein Wunder also, dass der Rhein als zentrales Merkmal der Region für die Rheinländer in aller Munde ist und wertgeschätzt wird.

Insbesondere in der Musik spielt der Rhein eine wichtige Rolle für die rheinische Bevölkerung, zeichnet sich diese doch nicht zuletzt durch ihre enge Verbundenheit mit Lied und Gesang aus, mit feuchtfröhlichen Feiern und Weinfesten und dem Schmettern von Schlagern und Trinkliedern.

Zur Mentalität der Rheinländer gehört jedoch noch ein weiterer, wichtiger Punkt, der insbesondere heutzutage von Bedeutung zu sein scheint. Man spricht den Rheinländern nämlich zu, dass jeder, der von außen zu ihnen hinzukommt, herzlich aufgenommen und integriert wird. Dadurch erst soll die reizvolle Mischung verschiedenster Kulturen, Ansichten und Lebensstile entstehen, für die das Multikulti-Rheinland nicht nur bekannt ist, sondern mit der es sich auch schmückt. Düsseldorf, das als japanische Metropole ‘Klein-Tokio‘ mitten in Deutschland bekannt ist, Köln, die Multikulti-Stadt schlechthin mit über 38 Prozent Einwohnern mit Migrationshintergrund, oder Bonn, das über 175 verschiedene Nationalitäten beherbergt – solche Städte können nur durch einen weltoffenen, unkomplizierten Umgang miteinander entstehen und wachsen. Meint man.

Aber in Zeiten der AfD, von Pegida und über 1200 Anzeigen an Silvester am Kölner Hauptbahnhof scheint das Bild ins Wanken zu geraten. Was ist mit der selbstverständlichen Integration passiert, die man den Rheinländern eigentlich zuspricht? Rechte Parolen und separierte Viertel wie „China-” oder „Japantown” oder türkisch dominierte Wohngegenden zeichnen ein ganz anderes und deutlich weniger romantisches Bild des Rheinlandes. Der Rhein fließt heute nicht mehr (nur) durch friedliche Städte und kleine Dörfer, die in fröhlicher Gemeinsamkeit miteinander Hand in Hand gehen – wobei angesichts der Wanderungsbewegungen der Vergangenheit und zweier Weltkriege zu fragen ist, ob es ein solches Idyll jemals gab – sondern vielmehr durch berstende, immer weiter wachsende Großstädte, Ablehnung und Skepsis, und ja, regelrechte Brennpunkte. Kann man unter diesen Umständen überhaupt noch von einer einheitlichen rheinischen Mentalität sprechen? Wer oder was ist heutzutage überhaupt der prototypische Rheinländer? Und kann das heutige Rheinland für ihn noch Heimat sein? Und hier auch noch genauer nachgefragt: Kann das Rheinland für alle Bewohner Heimat sein oder Heimat werden? Und wenn ja, wie zeigt sich die Heimatverbundenheit der Rheinländer?

Wir haben uns mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt und einmal erneut auf den Rhein geschaut. Denn er war, ist und wird weiterhin durch das Rheinland fließen, im Wesentlichen unberührt von den Veränderungen, die an seinen Ufern vonstatten gehen. Der Rhein steht für die Heimatverbundenheit und ist mit der rheinischen Mentalität fest und unzertrennlich verbunden.

Wie sich dies heutzutage darstellt und wie seine Bedeutung sich entwickelt hat, untersuchen wir mithilfe verschiedener Lieder, zum einen mit Volksliedern aus dem vergangen Jahrhundert und zum anderen mit Stücken bekannter Mundartbands aus der Gegenwart.

Dieses Thema wurde bearbeitet von: Alessa Nicola Münch, Claudia Brüggemann, Josee Lau und Johanna Hof

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